Grundsteinlegung Cröbern

Aus Bioabfällen werden Kompost und Strom.

Stadt und Landkreis Leipzig legen Grundstein für moderne Verwertungsanlage an der Deponie Cröbern.

Großpösna. Der tief fliegenden Schwalben hätte es gar nicht bedurft, um auf das nass-kühle Wetter aufmerksam zu machen. Zumindest regnete es am Mittwoch nicht mehr, als auf dem Gelände des Deponie-Standortes Cröbern für die neue Kompost- und Energieanlage (KEA) feierlich der Grundstein gelegt wurde. In der versenkten Metall-Hülse befinden sich neben einer LVZ und dem Bauplan unter anderem auch eine FFP-2-Maske sowie ein unbenutzter Corona-Test. Mehr Zeitkolorit zum Erhalt für die Nachwelt geht nicht.

 

Bioabfall wird ab demkommendem Jahr verstromt

Gemeinsam, so betonte Leipzigs Bürgermeister und Umweltbeigeordneter Heiko Rosenthal (Linke), sorgen die Stadt und der Landkreis Leipzig künftig für die nachhaltige Verwertung ihres Bioabfalls. Und gemeinsam mit Landrat Henry Graichen (CDU) sowie einigen am Bau Beteiligten legte er auch den Grundstein. In der KEA sollen ab dem ersten Quartal 2022 pro Jahr 42 000 Tonnen Bioabfall aus Stadt und Landkreis zu Kompost und Biogas weiterverarbeitet werden.
Bis zu 25 Millionen Euro werden für die Errichtung dieser „hochmodernen Bioabfallvergärungsanlage“ investiert, teilte die in Cröbern beheimatete Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV) mit. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW), in dessen Auftrag Restabfälle und Sperrmüll aus der Messestadt und dem Landkreis Leipzig mit ihren rund 860 000 Einwohnern verwertet werden.

Die jährlich in der Anlage anfallenden 18 000 Tonnen Kompost sollen für die Boden-Anreicherung einer landwirtschaftlichen Fläche in der Größe von rund 2500 Fußballplätzen reichen, erklärte Markus Witzstrock vom Bau- und Projektentwickler Herhof GmbH. Das Unternehmen ist zusammen mit dem Hoch- und Tiefbauer Finsterwalder Bauunion für die Errichtung der KEA verantwortlich.

Laut Datenblatt erzeugt die Anlage nach ihrer Inbetriebnahme3,8 Millionen Kubikmeter Biogasim Jahr. Dieses werde dann inzwei Blockheizkraftwerken mit je 1125 kW elektrischer Leistung verstromt. Das reiche für die Versorgung von bis zu 3000 Menschen. Bei dem Verfahren werden entstehende Gerüche herausgefiltert, sodass es zu keiner Belästigung der nächsten Wohnsiedlung oder der Besucher des nahen Bergbau-Technik-Parkes kommen soll.

 

Kompost für Landwirte in bester Qualität

Mit Zahlen konnte auch Bürgermeister Rosenthal aufwarten. Mit der künftigen Verwertung des Bioabfalls könnten pro Jahr 7000 Tonnen eines „klimaschädlichen fossilen Brennstoffs“ eingespart werden. „Mit dieser Anlage betreiben wir echten, aktiven Klimaschutz. Das wird ein Vorzeigeprojekt der Klimaregion Leipzig“, sagte Rosenthal mit Blick auf die auch in Leipzig angestrebte Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Für Landrat Graichen wird damit die Erfolgsgeschichte des Entsorgungsstandortes Cröbern fortgeschrieben. Mit der künftigen Verwertung der getrennt erfassten Bioabfälle komme man in höchster Qualität gesetzlichen Anforderungen nach. Der dann in Cröbern produzierte Kompost käme vor allem den Landwirten in der Bergbaufolgelandschaft zugute. Denn wegen der niedrigen Bodenwertzahlen seien sie besonders an dem ertragssteigernden Kompost interessiert.

 

Bericht von Olaf Barth / Foto von André Kempner